28.03.2026

Verantwortung. Zukunft. Freiheit. – Grundsatzprogramm der Jungen Liberalen Westfalen-West – Kapitel 4

Für Bildung von morgen statt von vorgestern

Das föderale Schulsystem in Deutschland führt zu vermeidbaren Unterschieden und
 erschwert die Vergleichbarkeit von Bildungsleistungen. Zudem führt die
 bundeslandspezifische Vielfalt der Bildungsabschlüsse dazu, dass diese den
 Anforderungen eines vereinten Europas nur unzureichend entsprechen. Daher streben wir
 sowohl deutschlandweit als auch europaweit vergleichbare Bildungsstandards an, die
 die Anerkennung von Abschlüssen in allen EU-Ländern gewährleisten. Um in diesem
 Zusammenhang den europäischen Gedanken zu stärken, sollen Schulen europaweit vernetzt
 werden und Schüleraustausch sowie grenzüberschreitende Projekte gefördert werden.
 Unser Ziel ist ein europäisches Bildungssystem, das Vielfalt respektiert und dennoch
 einheitliche Qualitätsmaßstäbe setzt.

 Wir setzen uns für ein Schulsystem ein, das alle Schüler individuell fördert und
 begleitet, unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft.

 Wir sehen das aktuelle dreigliedrige Schulsystem als zielführend an, da es den
 unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler gerecht wird. Es bestehen jedoch
 insbesondere bei Real- und Hauptschulen sowohl strukturelle Defizite als auch
 Verbesserungsbedarf in der organisatorischen Ausgestaltung. Wir wollen die
 Bildungschancen an Real- und Hauptschulen durch gezielte Förderprogramme, verstärkte
 Berufsorientierung und praxisnahe Unterrichtsinhalte stärken, um Schülern nachhaltig
 bessere Perspektiven zu eröffnen.

 Wir fordern die bundesweite Einführung eines Berufskollegsystems nach dem Vorbild
 Nordrhein-Westfalens. Das NRW-Modell zeichnet sich durch integrierte Bildungsgänge
 aus, die berufliche Qualifizierung und allgemeinbildende Abschlüsse verbinden und
 damit einen direkten Übergang in Ausbildung, Studium und Arbeitsmarkt ermöglichen. In
 diesem System werden Berufskollegs als attraktiver, praxisorientierter und
 gleichwertiger Bildungsweg neben dem klassischen Schulwesen etabliert. Sie bieten
 dabei eine Angebotserweiterung des beruflichen Schulwesens, wodurch neben beruflichen
 Qualifizierungen auch allgemeinbildende Abschlüsse erworben werden können, die einen
 höheren Praxisbezug bieten, als es an Haupt- und Realschulen oder Gymnasien möglich
 wäre. Mit der bundesweiten Einführung dieses Modells muss einhergehen, dass die
 Fachhochschulreife nicht mehr ohne gesonderte Prüfung oder zusätzliche Leistungen an
 Gymnasiasten vergeben wird, die den gymnasialen Bildungsgang vorzeitig verlassen.

 Damit geht es um eine Angebotserweiterung und eine zweite Chance für all jene, die
 nach Haupt- oder Realschulabschluss weitere Bildungswege einschlagen wollen. Damit
 sollen die Berufskollegs zusätzliche Aufstiegsmöglichkeiten und passendere Befähigung
 für den Berufseinstieg geben. Wir halten daran fest, dass eine Fachhochschulreife
 nicht zum Studieren an Universitäten berechtigt. Gleichzeitig wollen wir die Wege zur
 allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung für Personen mit Fachhochschulreife
 erweitern. Entsprechend anspruchsvolle Eignungstests oder nachgewiesene,
 qualifizierte Berufserfahrung sollen dafür als mögliche Zugangswege zu Universitäten
 anerkannt werden.

 Zudem fordern wir den bundesweiten Ausbau des erfolgreichen NRW-Modells der
 Talentschulen, um strukturell benachteiligte Regionen gezielt zu unterstützen und
 gleiche Chancen für alle Schüler zu schaffen.

 Um die Bildungsqualität zu sichern und zu verbessern, ist privates Engagement an
 Schulen wichtig. Da staatliche Institutionen oft durch Bürokratie gebremst werden,
 wollen wir die Rahmenbedingungen für private Träger verbessern. Diese sollen besser
 zur Vielfalt der Schullandschaft beitragen und weitergehende oder differenzierte
 Bildungskonzepte umsetzen. Die Vergleichbarkeit der Abschlüsse sowie die politische
 Unabhängigkeit der Träger müssen hierbei gewährleistet sein.

 Eine umfassende Qualifizierungs- und Bildungskampagne ist erforderlich, um den
 Fachkräftemangel zu bekämpfen und unsere Wirtschaft nachhaltig zu stärken.
 Nebenberufliche Lehrtätigkeiten und strukturierte Weiterbildungsangebote müssen
 ausgebaut werden, um kontinuierlich hohe Bildungsstandards zu gewährleisten. Bildung
 endet nicht mit dem Schulabschluss, sondern muss lebenslang, proaktiv und zugänglich
 angeboten werden, um alle Menschen zu erreichen. Diese Offensive soll kurzfristige
 Verbesserungen erzielen und gleichzeitig langfristig stabile Bildungsstrukturen
 schaffen.

 Zur Unterstützung der Studierenden fordern wir das elternunabhängige BAföG. Das
 aktuelle System ist durch aufwendige Prüfung der Elterneinkünfte und umständliche
 Nachweispflichten unnötig bürokratisch. Besonders den Studierenden mit schwierigen
 familiären Verhältnissen werden vom aktuellen System Steine in den Weg gelegt. Der
 Vermögensfreibetrag für Antragstellende unter 30 soll auf 30.000 € erhöht werden, der
 für über 30-Jährige soll auf 50.000 € erhöht werden. Zusätzlich soll der
 Vermögensfreibetrag regelmäßig unter Einbezug des Medianvermögens erhöht werden.

 Das elternunabhängige BAföG soll die Antragstellung deutlich vereinfachen und so den
 Zugang zur Förderung gerechter gestalten. Zusätzlich sollen flexiblere,
 einkommensabhängige und unbürokratische Rückzahlungsmodelle angeboten werden. Dabei
 ist für uns zentral, dass das BAföG keine reine Transferleistung darstellt.

 Digitale Technologien müssen als integraler Bestandteil des Unterrichts und nicht nur
 als Ergänzung genutzt und vermittelt werden. Zudem ist es wichtig, unternehmerisches
 Denken, wirtschaftliche Bildung und Digitalkompetenz stärker in die Lehrpläne zu
 integrieren, um junge Menschen optimal auf die moderne Arbeitswelt vorzubereiten.
 Hierzu fordern wir die bundesweite Einführung des Schulfachs „Wirtschaft“. Unser Ziel
 ist es, eine Generation von Schülern auszubilden, die sicher im Arbeitsmarkt agieren
 kann, eigene Ideen verwirklicht und die Wirtschaft aktiv gestaltet.

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